People are strange – die Sache mit WhatsApp und Facebook

Da hatte Herr Zuckerberg wohl keine Lust sein WhatsApp-Abo zu verlängern und hat den kompletten Dienst mal eben für schlappe 19 Milliarden (würde es ja ausschreiben, aber das sind zu viele Nullen, sorry) gekauft. Aber was ist das erste was darauf hin passiert? Die User wandern ab… und zwar weil sie um ihre Daten fürchten. Wattema, was? Lasst uns das nochmal ganz langsam von vorne durchgehen.

Facebook kauft WhatsApp

die Datenkrake holt sich den Messenger

Release the Datenkraken

SMS war gestern, WhatsApp ist in. “Haste auch schon?” – wie oft habe ich diesen Satz in den letzten Jahren gehört. Die Frage bezog sich auf WhatsApp, einen total neuen und irrsinnig kreativen Dienst, mit dem man Nachrichten über das Datennetz schicken konnte. Zugegeben, ältere Semester fragten sich spontan, ob ICQ wieder auferstanden sei, aber nene, das ist was total neues und “kostet nix”. Man war nur in, wenn man drin war. Wo jetzt genau die Vorteile gegenüber bereits vorhandenen Messengern wie Hangouts, Facebook Messenger oder der oldschoolen E-Mail waren, konnten die Jünger der grünen Sprechblase mir jedoch nie erklären. Wie ein Mantra wurde immer nur wiederholt, “da sind alle”.
Irgendwann kamen Leute mal auf die Idee, sich anzuschauen, wie WhatsApp sich denn in puncto Datenschutz verhält. Das Ergebnis war, das WhatsApp soviel vom Datenschutz versteht, wie ich vom Harfespielen. Schon 2010 versuchte Henning Tillmann den Irrsinn mit dem Hochladen des Adressbuchs auch nicht-technik-versierten anschaulich zu erklären. Auch auf die enormen Sicherheitslücken wurde von mehreren Stellen immer wieder hingewiesen. Genützt hat es nichts, denn “alle haben das doch”. Selbst die vergebliche Suche nach der Firma, die hinter WhatsApp stand änderte nichts daran, dass die App schneller wuchs als ein Krebsgeschwür.

Warum WhatsApp nicht so doll ist

WhatsApp HQ

WhatsApp Firmensitz vor den 19 Milliarden?

Fassen wir also nochmal zusammen: WhatsApp läd nach der Installation das komplette Adressbuch des Users auf unbekannte Server. Man weiß weder, wo diese Server stehen, was mit diesen Daten getan wird oder wer diejenigen sind, die etwas damit tun. Man weiß nur, dass ihr nicht nur eure eigenen Daten verschickt, sondern auch die eurer Kontakte und das ohne, dass die dem zugestimmt haben oder etwas dagegen tun können. Darüber hinaus können einfach die versendeten Nachrichten nicht nur vom Anbieter, sondern auch von Dritten mitgelesen werden (Demonstration). Zu guter Letzt hat man keine wirkliche Ahnung, wer überhaupt der Anbieter wirklich ist.

Dann kam die Wende: unser Leid war zuende

Wie inzwischen alle wissen, hat facebook nun WhatsApp gekauft. Die Reaktionen, die man von Leuten mitbekommt, ist fast immer die gleiche: sie löschen die App. Obwohl noch gar nicht fest steht, was sich für den User ändert, warnen fleissige deutsche Datenschützer bereits vor WhatsApp. Die Frage sei mir gestattet: Wo zur Hölle waren die denn vorher? Haben die auch mitbekommen, das die erste Änderung an WhatsApp seit der Übernahme eine Verbesserung der Privatsphäre-Einstellungen ist? Ich habe es bereits schon an anderer Stelle verdeutlicht: der Einäugige unter den Datenschutzbeachtern (facebook) hat den Vollblinden (WhatsApp) gekauft. Während aber die Leute dem Blinden vertrauten, laufen Sie nun aus Angst vor dem Einäugigen weg. Das ist reichlich skurril, aber durchaus erklärbar.

Zuckerberg

Zuckerberg hat einen schlechten Ruf

WhatsApp hatte in der allgemeine Wahrnehmung keinen schlechten Ruf. Es war ein praktisches Werkzeug. Die IT-Leute, die irgendwas von Datenschutz und Sicherheitslücken faselten, verstanden die meisten sowieso nicht. Außerdem nutzten es doch alle. Und ich schreib doch gar keine geheimen Dinge über WhatsApp. Facebook hingegen ist eine riesige miese Datenkrake und Zuckerberg verabscheuungswürdig und böse. Facebook ist an diesem Image zu Recht selbst Schuld. Wer dauernd seine Richtlinien ändert, Datenschutzeinstellungen zu komplex und zu versteckt implementiert und immer wieder Werbung irgendwo reinzwängt, der darf sich nicht wundern, dass man ihn nicht mag. Zudem war facebook sehr oft wegen Datenschutzfragen in den Medien und zwar nie positiv. Auch Intransparenz wurde dem blauweißen Dienst oft vorgeworfen, da Zuckerberg nie so ganz erklärte, wie genau sein Geschäftsmodell funktioniert. (philosophische Randbemerkung: ob die Leute wohl auch so reagieren würden, hätte Googles Übernahme damals geklappt?)
Wie eingangs bereits erwähnt ist die Übernahme von WhatsApp aber in doppelter Hinsicht positiv zu bewerten: zum einen rückt nämlich damit der Datenschutz tatsächlich endlich in den Fokus, denn facebook schauen mehr Leute auf die Finger als es bei WhatsApp der Fall war. Zum anderen aber, wechseln immer mehr Leute zu vernünftigeren Alternativen. Der Auslöser dafür ist also meiner Meinung nach Humbug, aber das Ergebnis genau richtig.

Die Alternativen

Ich erspare dem geneigten Leser, der meine als Blogeintrag getarnte Tirade bis hierher durchgehalten hat, eine Auflistung von Alternativen. Ihr findet sowas zu Hauf im Netz, z.B. beim Spiegel, den Mobile Geeks oder heise. Ihr könnt aber auch direkt Threema installieren. Mir persönlich fehlt da die Unterstützung für mehrere Geräte zur gleichen Zeit, also das Nachrichten synchronisiert am PC, Smartphone und Tablet gelesen und geschrieben werden können, aber laut Angabe des Herstellers wird dies in zukünftigen Versionen kommen.

TL;DR

Den Wechsel von WhatsApp durch die Übernahme durch facebook und damit verbundene Verschlechterung des Datenschutzes zu begründen ist falsch. Trotzdem ist ein Wechsel zu einem sicheren Dienst absolut sinnvoll und empfehlenswert.

I just came here because of the title and expected music, dude

The Doors – People are strange
1967, Musikvideo

Ein Gedanke zu “People are strange – die Sache mit WhatsApp und Facebook

  1. Wir können von Glück reden, dass nicht Google WhatsApp aufgekauft hat. Denn es gibt keine größere Pest. Google ist DIE Datenkrake im Netz, denn auf Daten baut das gesamte Geschäftsmodell auf. Zugegeben, sie bieten tolle kostenlose Dienste an, für alle muss man sich aber nackt machen. Auf Datenschutz pfeifen sie noch mehr (StreetMaps, WLAN, Klartext-Passwörter, usw.) als es Facebook und Co machen.

    Google gilt – noch – als hip und cool, aber das wird sich wieder ändern. Aktuell jedoch hätte es vermutlich nicht den von dir genannten doppelten positiven Effekt gehabt.