Introducing: Wahlhilfen im Internet

Die Wahlen stehen vor der Tür und Angesichts der Tatsache, dass ich mich zuletzt oft über die mangelnde Kompetenz unserer Volksvertreter in Technologiethemen beklagt habe, fühle ich mich verpflichtet, mal einen kurzen Überblick über die Entscheidungshilfen im Internet zu geben, falls ihr euch noch unsicher seid, wo ihr euer Kreuz machen sollt.

Wahl-O-Mat

Anlaufstelle Nummer eins um einen schnellen Überblick zu bekommen, wie stark die Meinung der Parteien eurer eigenen entspricht ist der Wahl-O-Mat. Hier kann man sich fix durch 38 Fragen durchklicken, die man jeweils mit “stimme zu”, “stimme nicht zu” oder “neutral” beantworten kann. Anschließend kann man noch bestimmen, dass bestimmte Fragen eine starke Gewichtung bekommen sollen, weil euch das Thema besonders wichtig ist. Zum Schluss kann man dann 8 Parteien auswählen, mit denen man seine Meinung vergleichen möchte und erhält einen Überblick wie hoch die Übereinstimmung mit den Parteien ist und kann sich sogar anschauen, wie die Parteien ihre Antworten begründen.
Lustige Randnotiz: ist einem alles egal, so hat man die höchste Übereinstimmung mit der CDU/CSU.

Link: https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2013/main_app.php
Anbieter: Bundeszentrale für politische Bildung

Wahl-O-Mat

Wen-waehlen.de

Einen anderen Ansatz wählt wen-waehlen.de. Nachdem man hier seinen Wahlkreis angegeben hat und angibt, wie viel Zeit man hat (von 1min Schnellcheck bis zu 15 ausführlich), gewichtet man seine persönlichen Schwerpunkte. Man bekommt nun eine Empfehlung, welchen Direktkandidaten (Erststimme) man mit diesen Schwerpunkten am besten wählen sollte. Doof, dass hier allerdings nicht alle mitgemacht haben. In meinem Wahlkreis fehlen hier Angaben der Kandidaten von CDU, Grüne, Linke, Freie Wähler, NPD. Aussagegehalt daher zumindest hier: arg beschränkt.

Link: http://www.wen-waehlen.de/
Anbieter: Alvar Freude in Zusammenarbeit mit der Universität Mannheim und dem Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (FITUG e.V.). Alvar Freude ist Software-Entwickler und war 2010 bis 2013 als Sachverständiger Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages.

Bundeswahlkompass

Eine weitere Seite, die einem hilft, einen schnellen Überblick zu bekommen ist der Bundeswahlkompass. Hier werden ähnlich wie beim Wahl-O-Maten 30 Thesen gezeigt, die man auf einer Skala von “stimme vollkommen zu” bis “stimme überhaupt nicht zu” bewerten soll. Anschließend wird man gefragt, welchen Politiker man sympathisch findet und wieviel Kompetenz man denen zutraut (zur Auswahl stehen jeweils die Spitzenkandidaten der Parteien). Was man hier als Ergebnis erhält ist ein Koordinatensystem in dem die Parteien eingezeichnet sind und seine eigene Meinung. Man kann seine Koordinaten noch durch Gewichtungen und Detailfragen verfeiern.

Link: http://www.bundeswahlkompass.de/
Anbieter: Der Bundeswahlkompass ist ein akademisches Projekt eines Teams deutscher Wissenschaftler der Helmut-Schmidt Universität Hamburg, der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Freien Universität Berlin, welches unter der Leitung von Dr. André Krouwel und dem niederländischen Unternehmen Kieskompas entwickelt wurde. Kieskompas ist eine 2007 gegründete Gesellschaft mit Sitz an der Freien Universität Amsterdam, welche auf der Grundlage von innovativer Methodik Web-Applikationen zu nationalen, regionalen oder europäischen Wahlen entwickelt.

Bundeswahlkompass

das Ergebniskoordinatensystem

Steuer-O-Mat

Am plakativsten ist anscheinend immer noch die Frage nach der Höhe der Steuern. Deshalb gibt es auch einen Wahlhelfer, der sich dieses Thema heraus gesucht hat. Beim Steuer-O-Maten kann man schauen, wie sich die Steuerposition für einen ganz persönlich darstellt, je nachdem, welche Partei ihr Programm durchsetzen kann. Ich hoffe trotzdem, dass nur Unterschichtenfernsehstammzuschauer™ ihre Wahlentscheidung davon abhängig machen, welche Partei angeblich ihre Steuern senkt.

Link: http://www.steuer-o-mat.de/
Anbieter: smartsteuer GmbH

heise

Der Heise-Verlag hat genau hingeschaut und untersucht die Parteiprogramme mit besonderem Schwerpunkt auf IT-Themen. Es sind noch nicht alle Parteien erwähnt, aber die großen findet man schon hier (nach unten scrollen oder lesen).

Google

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es von Google eine eigene Seite gibt, die Infos zur Wahl bündelt. Nicht wirklich eine Entscheidungshilfe, aber auch kein schlechter Anlaufpunkt.

Diktatorcheck

Wer gerne selber mal diktatorisch herrschen möchte, der ist eher beim Check für Diktatoren zu Hause. Hier kann man prüfen, wie gut man sich als Despot eignen würde.

generelle Hinweise

Die Seiten helfen nur dabei raus zu finden, welche Parteimeinung sich am besten mit der eigenen deckt. Gerade beil Wahl-O-Maten fand ich zudem einige Fragen manipulatorisch formuliert. Es macht schon einen Unterschied, wie ich die Frage stelle. Und natürlich gilt: kein Programm kann dein Denken ersetzen.
Die allerschlechteste Variante ist das Nichtwählen. Je niedriger die Wahlbeteiligung umso leichter wird es für Vollpfosten Stimmen zu bekommen. Was ihr wählt, müsst ihr selber entscheiden. Mein Tipp ist nur: nicht einlullen lassen, alles sei toll, sondern nachdenken, was euch nicht gefällt und informieren, welche Parteien das ändern möchten.

2 Gedanken zu “Introducing: Wahlhilfen im Internet

  1. Liedtitel gibt’s nur bei richtigen Artikeln. “Introducing” ist meine Kategorie für “ich zeig euch mal was”